Drehmoment, Drehzahl und Leistung
Der Motor liefert Drehmoment bei einer bestimmten Drehzahl. Das Getriebe verändert deren Verhältnis: Eine kurze Übersetzung senkt die Drehzahl am Abtrieb und erhöht – abzüglich der Verluste – das verfügbare Drehmoment. Eine lange Übersetzung ermöglicht höhere Fahrgeschwindigkeit bei geringerer Zugkraftreserve.
Leistung wird durch eine ideale Übersetzung nicht vermehrt. In der Praxis sinkt sie entlang des Kraftwegs geringfügig, weil Lager, Zahneingriffe, Gelenke, Dichtungen und Ölbewegung Verluste verursachen. Die große Zugkraft eines Nutzfahrzeugs entsteht deshalb aus Motordrehmoment, Gesamtübersetzung, Wirkungsgrad und wirksamem Radradius gemeinsam.
- Drehmoment beschreibt eine drehende Wirkung.
- Drehzahl bestimmt, wie schnell sich ein Bauteil dreht.
- Leistung verbindet Drehmoment und Drehzahl miteinander.
- Zugkraft entsteht erst am wirksamen Radius des angetriebenen Rades.
4×2, 6×4 und Allradantrieb
Bei einem 4×2-Fahrzeug wird eine von zwei Achsen angetrieben. Ein 6×4 besitzt drei Achsen, von denen zwei Antriebsmoment erhalten. Beim Allradfahrzeug kann die Antriebskraft zusätzlich zur Vorderachse geleitet werden. Die Bezeichnung nennt jedoch nur die grundsätzliche Rad- und Antriebskonfiguration; sie erklärt noch nicht, wie Verteilergetriebe, Längsdifferentiale oder Sperren im konkreten Fahrzeug aufgebaut sind.
Mehr angetriebene Achsen können die übertragbare Zugkraft auf losem Untergrund erhöhen. Gleichzeitig wachsen Masse, innere Reibung, Bauteilzahl und Wartungsaufwand. Für Fernverkehr, Baustelle und schweren Geländeeinsatz entstehen deshalb unterschiedliche technische Prioritäten.
Gesamtübersetzung und Kraftweg
Die Gesamtübersetzung ergibt sich aus den hintereinander wirksamen Übersetzungsstufen. Dazu können Hauptgetriebe, Bereichs- oder Splitgruppe, Verteilerstufe, Achsantrieb und ein Rad- oder Portalvorgelege gehören. Die einzelnen Verhältnisse werden multipliziert – vorausgesetzt, genau diese Stufen liegen im betrachteten Kraftweg.
Wichtig ist die Systemgrenze: Ein Nebenabtrieb zweigt Leistung vor oder nach einer bestimmten Getriebestufe ab. Eine Differentialsperre erzeugt keine zusätzliche Untersetzung, sondern verändert den möglichen Drehzahlausgleich. Ein Retarder nimmt dagegen Bewegungsenergie aus dem Antriebsstrang auf und wandelt sie überwiegend in Wärme um.
Elektro-Lkw: Zentralantrieb und elektrische Achse unterscheiden
Beim batterieelektrischen Lkw liefert die Hochvoltbatterie Gleichstrom. Der Wechselrichter steuert daraus die elektrischen Größen der Antriebsmaschine und damit ihr Drehmoment. Motor, Übersetzung und Differential bestimmen weiterhin die Zugkraft am Reifen. Ein Elektromotor beseitigt also weder die Notwendigkeit einer Untersetzung noch die Drehzahlgrenzen von Wellen und Lagern. Dauerleistung und kurzzeitig zulässige Spitzenleistung müssen wegen der thermischen Belastung getrennt betrachtet werden.
Volvos im September 2026 in Serie gestartete Generation zeigt zwei unterschiedliche Anordnungen innerhalb derselben Marke. Der FH Aero Electric mit erweiterter Reichweite verwendet eine kompakte elektrische Achse mit zwei Motoren und Sechsganggetriebe. Daneben beschreibt Volvo für FH, FM und FMX Electric einen neuen Zweimotorenantrieb mit acht Gängen. Eine ältere Beschreibung mit drei Motoren und dem bisherigen Getriebe darf deshalb nicht unverändert auf die neue Generation übertragen werden.
MAN ordnet beim eTGX und eTGS Elektromotor, Wechselrichter und Getriebe zentral im Fahrzeug an. In der technischen Systembeschreibung führt ein Zwei- oder Vierganggetriebe über eine kurze Gelenkwelle zur Hypoid-Hinterachse. Beim Mercedes-Benz eActros 600 sitzen dagegen zwei elektrische Maschinen und ein Vierganggetriebe in der elektrischen Antriebsachse. Beide Konzepte treiben schwere Lkw an; sie verteilen Bauraum, Masse, Kühlanschlüsse und mechanische Schnittstellen jedoch unterschiedlich.
Auch mehrere Elektromotoren müssen kein bloßes Addieren gleicher Antriebe bedeuten. Scania beschreibt für die EM C3-6 drei elektrische Maschinen und ein Sechsganggetriebe mit zwei Eingangswellen. Während eines Schaltvorgangs können zwei Maschinen den Vortrieb übernehmen und die dritte den nächsten Gang synchronisieren. Die verwandte EM C1-4 verwendet ein anderes Konzept mit vier Gängen. Der Produktname steht hier für eine bestimmte Maschinen- und Getriebearchitektur, nicht für einen herstellerübergreifenden Standard.
Beim Verzögern kann die elektrische Maschine generatorisch arbeiten: Die Räder treiben sie an, und elektrische Energie fließt in die Batterie zurück. Wie viel davon aufgenommen werden kann, hängt auch von Ladezustand, Temperatur und Ladeleistungsgrenze der Batterie ab. Die Bremsregelung muss deshalb zusätzliche Radbremswirkung bereitstellen können. Eine elektrische Achse ist außerdem kein Synonym für Radnabenmotoren: Bei den hier erläuterten Achsaggregaten bleiben ein gemeinsamer Getriebekraftweg und die Verteilung zu den Rädern erhalten.
- Systemvergleich: Energiespeicher, Zahl der Maschinen, Getriebe und Einbauort getrennt benennen. Erst ihre Kombination erklärt Zugkraft, Schaltverhalten und Rekuperation.
Quellenhinweis: Volvo, 14.04.2026 · zwei neue elektrische Antriebsarchitekturen · Volvo, 14.09.2026 · bestätigter Serienstart · MAN · Zentralmotor, Zwei-/Vierganggetriebe und Gelenkwelle · Daimler Truck, 10.10.2023 · eActros-600-Antriebsachse · Scania · EM C3-6: Maschinenaufgaben während der Schaltung

Wasserstoff-Lkw: Brennstoffzelle und Verbrennungsmotor führen zu verschiedenen Kraftwegen
Wasserstoff bezeichnet zunächst den mitgeführten Energieträger. Er legt nicht fest, welche Maschine die Räder antreibt. Eine Brennstoffzelle erzeugt aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie; ein Wasserstoff-Verbrennungsmotor nutzt dagegen den Druck heißer Verbrennungsgase, um über Kolben und Kurbelwelle mechanische Leistung abzugeben. Diese Unterscheidung ist konstruktiv grundlegender als die gemeinsame Bezeichnung Wasserstoff-Lkw.
Der 2026 vorgestellte Mercedes-Benz NextGenH2 Truck folgt dem elektrischen Weg. Zwei cellcentric-Brennstoffzelleneinheiten mit jeweils 150 kW bilden ein System mit 300 kW. Eine LFP-Hochvoltbatterie mit 101 kWh installierter Kapazität puffert Energie und nimmt Rekuperationsenergie auf. Die elektrische Antriebsachse stammt aus dem eActros-600-Konzept. Brennstoffzellenleistung, Batterieenergie und Antriebsleistung sind deshalb verschiedene Angaben: Die Batterie kann Lastspitzen zeitlich ausgleichen, erzeugt aber keine zusätzliche Energie.
Zum System gehören mehr als die gestapelten Zellen. Luftversorgung, Kühlung und die geregelte Wasserstoffzufuhr halten den elektrochemischen Prozess im vorgesehenen Betriebsbereich. Daimler verwendet Flüssigwasserstoff als Speicherform. Der Entwicklungsstand bleibt dabei ausdrücklich benannt: Für den NextGenH2 war zum Redaktionsstand Oktober 2026 eine Kleinserie von rund 100 Fahrzeugen für den Kundeneinsatz ab Ende 2026 angekündigt. Das ist von einer bereits breit eingeführten Serienbaureihe zu unterscheiden.
Der MAN hTGX folgt dem mechanischen Weg. Sein H45-Wasserstoffmotor basiert laut MAN auf dem D38-Dieselaggregat, führt Wasserstoff jedoch direkt in den Brennraum ein. Die Vorstellung nennt 383 kW beziehungsweise 520 PS sowie 2.500 Nm bei 900 bis 1.300 Umdrehungen pro Minute; als Speicher dient auf 700 bar verdichteter Wasserstoff. MAN bestätigte 2026 die erste Kundenauslieferung. Die Abstammung vom Diesel beschreibt eine konstruktive Basis, keine Austauschbarkeit von Einspritzung, Verbrennungsführung oder Motorsteuerung.
Beim technischen Vergleich sind damit mindestens drei Fragen zu trennen: Wie wird Wasserstoff gespeichert, wie wird seine Energie umgewandelt und wie gelangt das Drehmoment an die Räder? Ein Brennstoffzellen-Lkw braucht elektrische Maschinen, Wechselrichter und eine Pufferbatterie. Ein Wasserstoffverbrenner behält einen mechanischen Motor-Getriebe-Kraftweg sowie Anforderungen an Luftführung, Schmierung, Kühlung und Abgasbehandlung. Für die Gesamtbewertung kommen Wasserstoffherstellung, Transport und Betankung hinzu; ein gemeinsamer Kraftstoffname beweist keinen gleichen Wirkungsgrad.
- Merksatz: Der Energieträger Wasserstoff verbindet die Konzepte. Brennstoffzelle und Kolbenmotor unterscheiden sich dagegen im Umwandlungsprozess und im anschließenden Kraftweg.
Quellenhinweis: Daimler Truck, 26.01.2026 · NextGenH2, Brennstoffzelle, Batterie und E-Achse · Daimler Truck, IAA 2026 · weiterhin angekündigte Kleinserie · MAN, 08.04.2024 · H45, Direkteinspritzung und Druckspeicherung · MAN, 2026 · erste hTGX-Kundenauslieferung · Bosch Mobility · Komponenten und Regelung des Wasserstoffmotors

Kraftfluss als Diagnosehilfe
Bei Geräuschen, Schwingungen oder Zugkraftverlust hilft ein gedanklich sauberer Kraftweg. Tritt ein Geräusch nur in bestimmten Gängen auf, rückt das Hauptgetriebe in den Mittelpunkt. Ändert es sich mit Fahrgeschwindigkeit, aber nicht mit Motordrehzahl, sind nachgelagerte Baugruppen wahrscheinlicher. Lastwechselreaktionen können auf Spiel in Verzahnungen, Gelenken, Lagern oder Befestigungen hinweisen.
Diese Einordnung ersetzt keine Messung. Sie begrenzt aber den Suchraum und verhindert, dass Bauteile geprüft werden, die im beobachteten Betriebszustand gar nicht am Kraftfluss beteiligt sind.

